Weinerlei
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Herz-Haft
Der Alltagswein - eine Weinkolumne , von Pascal Sennhauser Der Alltagswein - eine Weinkolumne

Der Pinot Noir der Familie Hansruedi Adank aus Fläsch im Bündnerland räumt (m)ein altes Hemmnis beiseite - dasjenige nämlich, an welchem ich immer leide, wenn es darum geht, zu einem gepflegten Teller Pasta samt hausgemachter Sauce an einem Mittwochabend den richtigen, sprich angemessenen Wein zu finden. 

Die Ausgangslage scheint auf den ersten Blick klar: In einer solchen Situation pflege ich mir einen nicht zu komplexen, aber dennoch einigermassen gehaltvollen Rotwein mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu wünschen.

Hier taucht das erste Problem auf: Steige ich in meinen Weinkeller hinunter, stelle ich fest, dass ich kaum solche Weine besitze. Dort liegen hauptsächlich Flaschen mit Lagerpotenzial. Und einen noch viel zu jungen Chambolles Mussigny, Sociando Mallet, Mas Martinet oder Château Musar will man an einem profanen Mittwochabend ja nicht köpfen. "Kindsmord" - entschuldigung für die Formulierung, aber die Weinsprache beschreibt ein solches Vorgehen mit diesem Begriff - kommt also nicht in Frage. Kommt dazu, dass einige der Trouvaillen in meinem Untergeschoss für ganz spezielle Anlässe reserviert sind (z.B. für die Meisterfeier von YB irgendwann in den kommenden 55 Jahren).  

Nun hätte ich ja genug Gelegenheiten - hier erfassen wir Problem Nummer zwei -, mir solche Weine wie oben beschreiben zu besorgen. Ich bin nicht selten Gast bei Degustationen - an Weinmessen, auf Weinreisen oder mit Weinerlei dem Klub - und als Mitglied von ebendiesem Weinklub sowieso regelmässig von gegorenem Traubensaft umgeben. Aber so sehr ich mir immer wieder vornehme, einmal einen Kaufabschluss ausschliesslich oder wenigstens hauptsächlich mit qualitativ hohen Weinen im tiefen bis mittleren Preissegement anzustreben, so gewiss ist es, dass sich in meinen Chörbli am Ende doch wieder nur Flaschen mit zwar höchster inhaltlicher Qualität, aber eben auch entsprechendem Preis befinden. Ich bleibe immer an den Spitzenweinen hängen. Weil sie halt am meisten Freude breiten - in 20 Jahren... Bin ich einfach zu verwöhnt? Zu anspruchsvoll? Sollte ich einmal eine Degustation besuchen, an welcher nur önologische Endprodukte bis 25 Franken feilgeboten werden? Gibt es solche Anlässe überhaupt? 

Item. Resignierend wollte ich diese Gedanken eigentlich schon aus meinen Kopf verbannen und künftig halt doch nur noch Spitzenweine trinken - bei jeder Gelegenheit, auch zu so etwas Banalem wie einer Pasta am Mittwochabend. Viele meiner (Wein-)Freunde raten mir das sogar an; für sie ist eine solche Praxis selbstverständlich. Aber seit ich im Besitz von Adanks eingangs erwähntem Pinot Noir aus der Bündner Herrschaft bin, hat sich dieses Dilemma wie in Luft aufgelöst. Was bin ich erleichtert!

Adanks Blauburgunder fehlt es an nichts, was einen vorzüglichen Pinot Noir ausmacht. Er ist von relativ kräftiger Struktur und bringt die typischen fruchtbetonten Beerenaromen - die dezente Himbeere ist eine Offenbarung - schön und harmonisch zur Geltung. Er liegt samtweich im Gaumen und hält mit seinem würzigen Abgang bis zum Schluss, was er in der Nase verspricht. Mit einem Preis von 17 Franken (75 cl) beweist er ausserdem sein kaum schlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.

Und was trinken Sie nächsten Mittwoch zum Abendessen?   

www.adank-weine.ch